Gemeinschaft in der ev. Kirche - Flensburg

Südergraben 28 | 24937 Flensburg | Prediger: Samuel Liebmann

Auf ein Wort

Liebe Geschwister und Freunde

Monatsspruch Juni:
Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. (Apostelgeschichte 5,29)


Wenn es im Monatsspruch heißt: „Man muss“ und „gehorchen“, dann weckt das nicht sofort unser Interesse. Wer will schon tun, was „man muss“ oder so leben, wie „man“ sollte. Und gehorchen klingt auch wie ein Wort aus vergangenen Tagen … Warum also weiterlesen und über diesen herausfordernden Monatsspruch weiter nachdenken?

Weil die Situation, in die hinein Petrus und die anderen Apostel diesen Satz sagen, uns tiefen Respekt und große Anerkennung abverlangen. Was sich wie große Einengung und Freiheitsentzug anhört, ist am Ende genau das Gegenteil: Gibt es eine größere Freiheit, als vor Gerichten, die über Leben und Tod entscheiden, aufrecht zu stehen und sich nicht einschüchtern und verbiegen zu lassen? Petrus und die anderen Apostel tun genau das und zeigen damit: Wer vor Gott kniet, kann vor den Menschen gerade stehen!
Genau dieses Rückgrat, diese aufrechte Haltung ist doch etwas, was sich jeder wünscht. Darum ist die Situation beeindruckend. Das Geheimnis dieser Leute ist ganz schlicht in diesem Satz zu finden:
„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“

Viele halten den Glauben für eine große Einschränkung im Leben. Nach dem Motto: Wenn Du an Gott glaubst, dann darfst Du dieses und jenes nicht … und dafür musst Du …
Dabei entdecken wir bei Petrus und vielen anderen Frauen und Männern in der Bibel genau das Gegenteil: Erst der Glaube an Gott schenkt ihnen eine beeindruckende Freiheit. Denn wenn wir ehrlich sind, dann stimmt auch die Umkehrung: Wer nicht vor Gott kniet, der kniet am Ende vor anderen … Menschen oder Werten: Vor Vorgesetzten und Chefs, vor Ideologien und Systemen, vor eigenen Wünschen und Zielen, Werten oder Idealen. Wie schnell erleben wir uns als unfrei und getrieben – selbst wenn der Antrieb aus uns selbst heraus kommt.
Sicherlich, ganz ohne Unterordnung geht es in dieser Welt nicht. Aber wem gehorchen wir „mehr“? Vor wem gehen wir vor allem auf die Knie? Warum nicht vor dem Gott knien, der uns als unser Schöpfer und Erfinder des Lebens ganz genau kennt, besser als wir uns selbst kennen, der weiß, wie unser Leben in aller Spannung und Zerrissenheit gelingen kann und erfüllt wird?
Nicht nur die Bibel, auch die Geschichte bis in die Gegenwart hinein erzählt von solchen Menschen: Martin Luther, Dietrich Bonhoeffer, Mutter Theresa … Du?


Ihr Samuel Liebmann