Gemeinschaft in der ev. Kirche - Flensburg

Südergraben 28 | 24937 Flensburg | Prediger: Samuel Liebmann

Auf ein Wort

Liebe Geschwister und Freunde

Das Urteilen und Beurteilen und – sehr schnell auch – das Verurteilen liegt uns Menschen sehr nahe. Es gehört zu uns und macht uns aus. Jede Entscheidung treffen wir aufgrund eines Urteils, das wir uns – bewusst oder unbewusst – gemacht haben. Wir können nämlich unterscheiden: Das Gute vom weniger Guten, bzw. vom Bösen. So beurteilen wir Situationen, Dinge und auch Menschen und kommen zu dem Urteil: Der oder die ist gut; jene oder jener ist nicht so gut!

Die Frage dabei ist: Nach welchen Maßstäben und Bewertungskriterien unterscheiden wir: Welche Werte bestimmen unser Urteil über Menschen und Dinge? Geht es dabei vor allem um Äußerlichkeiten oder um „innere“ Werte, ums Aussehen oder um seinen Nutzen, um das, was Menschen tun oder sagen oder wie sie leben, oder ...

Diese Beurteilungen und am Ende auch Verurteilungen passieren oft weniger bewusst. Unser „Bauchgefühl“ präsentiert nicht selten das Ergebnis solchen Urteilens. Welche Maßstäbe und Kriterien uns dabei geleitet haben, sind einem längst nicht immer so klar.

An dieses typisch menschliche „Urteilen“ scheint Jesus gedacht zu haben, als er sagte: Ihr urteilt, wie Menschen urteilen ... Was aber meint er, wenn er von sich sagt: Ich urteile über keinen!? Kann Jesus sich diesen Vorgängen entziehen? Ruft er nicht gerade dazu auf, als „guter Mensch“ zu leben im Unterschied zur übrigen, „bösen“ Welt?
Im Hintergrund dieser Worte steht eine wunderbare Geschichte. Jesus verurteilt hier den Menschen nicht, der ganz offensichtlich schuldig geworden ist an Gottes Geboten und an dem, was „man“ so tut. Seine Art mit Menschen umzugehen – gerade auch mit denen, die nach unserem Urteil schlecht abschneiden – ist so gravierend anders, als es für uns typisch ist.

Jesus verurteilt nicht, weil er viel lieber vergibt! Dazu ist er gekommen, „nicht das er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde“ (Joh. 3,17).
Er unterscheidet nicht die Menschen in Gute und weniger Gute, bzw. Böse, denn er weiß: Vor Gott sind wir alle gleich! Kein Mensch könnte je vor Gott bestehen, wenn ihm nicht seine Schuld und sein Versagen vergeben werden würde. Jeder, der sich Jesus zuwendet und seine Vergebung, die er uns schenkt, annimmt, gehört zu den „Geretteten“; „gerettet“ vor dem letzten Urteil, das Gott selbst über jeden Menschen am Ende sprechen wird.
Bis dahin urteilt, bzw. verurteilt Jesus niemanden! Und wir sollten das auch nicht tun!

Ich wünsche uns allen, dass wir immer wieder neu dieses Geschenk seiner Vergebung als Ausdruck seiner Liebe und als die Entlastung für unser Leben erkennen und auf dieser Grundlage froh und dankbar (mit den Menschen um uns herum) leben können.


Ihr Samuel Liebmann