Gemeinschaft in der ev. Kirche - Flensburg

Südergraben 28 | 24937 Flensburg | Prediger: Samuel Liebmann

Auf ein Wort

Liebe Geschwister und Freunde

Wissen wir, was es heißt, durstig zu sein? Der Zugang zu sauberem Wasser ist ein Menschenrecht. Trotzdem sterben jährlich über drei Millionen Menschen, alle zwanzig Sekunden ein Kind, an unzureichender Wasserversorgung. Unvorstellbar! Noch unvorstellbarer wäre es allerdings, wenn Menschen in gefährdeten Regionen das Angebot frischen Wassers ablehnten. … In der Jahreslosung geht es um den Durst nach Leben in all seinen Facetten. Die Angebote, diesen Durst zu stillen, scheinen unbegrenzt zu sein. Und wir lassen uns das auch etwas kosten. Die einen investieren alles in Karriere und Anerkennung, in Gesundheit, in die Erfüllung eines Lebenstraumes oder setzen alles in Partnerschaft und Familie. … Vieles passiert unbewusst. Wenn allerdings die Gesundheit wackelt, Beziehungen scheitern, Sicherheiten wegbrechen, stellt sich die Frage: Aus welcher Quelle lebe ich eigentlich? Gott will und er allein kann unseren Durst nach Leben stillen aus einer Quelle, die nie versiegt. Das Quellwasser sprudelt, ob wir daraus schöpfen oder nicht. Der Wasserstrom in der Grafik der Künstlerin Stefanie Bahlinger springt auch nicht als erstes in den Blick. Doch er bringt Bewegung ins Bild. Er umspült das braune Gefäß. Darüber schiebt sich ein weißes Gefäß. Beide sind durch ein geschwungenes goldenes Kreuz miteinander verbunden. Es umspannt sie und erstreckt sich vom dunklen unteren Bildrand bis hinein in das warme helle Licht ganz oben. Eine geheimnisvolle Dynamik steckt in der Grafik. Auch ausgelöst durch die intensiv violett-rosa Fläche, die sich mitten ins Bild schiebt. Violett ist die Farbe der Umkehr. Vielleicht ist diese Fläche ein Spiegel, den Gott mir vorhält. … Gott lädt zur Quelle ein. Besonders den Gescheiterten und Bedürftigen gilt sein Angebot. Ganz umsonst. Vielleicht ist das der Punkt, der mir mit meinem Leistungsdenken und Hang zum Perfektionismus widerstrebt. Ich bin nicht gerne bedürftig. Fehler und Versagen sind nicht vorgesehen. Die Bibel vergleicht uns immer wieder mit Gefäßen. Keinen makellos glänzenden, sondern irdenen! Genau die will Gott mit seinem lebendigen Wasser füllen. Genau da hinein legt er seinen Glanz. So überstrahlt das goldene Kreuz die gesamte Grafik. In ihm liegt das Umsonst begründet. Gott ließ sich unsere Rettung etwas kosten. Das Leben seines Sohnes. Er hat alles bezahlt und beglichen. Wer das entdeckt, erlebt Verwandlung … Vielleicht erklärt das die beiden Gefäßhälften, die zusammengehören, aber nicht zusammen passen. Gott allein schafft das Wunder: Er verwandelt die irden-vergängliche in eine ganz neue Form mit Ewigkeitswert. … Noch bestimmen Turbulenzen mein Leben. Manche Wegstrecken bringen uns an Grenzen. Manche Durststrecke wird es noch geben. Da gilt Gottes Angebot und erinnert uns: Bei mir bist du an der Quelle! … unvorstellbar, dieses Angebot abzulehnen.


Ihr Samuel Liebmann