Gemeinschaft in der ev. Kirche - Flensburg

Südergraben 28 | 24937 Flensburg | Prediger: Samuel Liebmann

Auf ein Wort

Liebe Geschwister und Freunde

Mich haben diese Worte aus dem Monatsspruch für Dezember zunächst
irritiert. Erwartet habe ich besinnlichere Worte über Licht, Hoffnung und Freude. Dagegen lesen wir hier etwas davon, dass Gott uns - wenn auch nur für eine kleine Weile - "verlassen" hat! Wie passt das mit seinem "großen Erbarmen" zusammen?

Und wie passt das in diese besondere Zeit von Advent und Weihnachten? Kann es sein, dass mir, bzw. uns allen im Blick auf Advent und Weihnachten die besondere Atmosphäre der Advents- und Weihnachtszeit stärker vor Augen steht als der Inhalt? Wer erwartet sie nicht, die gemütlichen Stunden bei Kerzenschein, leckerem Gebäck und duftenden Getränken. Wer liebt sie nicht, diese ganz besondere, heimelige schöne Atmosphäre.

Aber ist das schon alles? Geht es im Advent nicht um viel mehr, um viel größeres als nur um eine schöne, äußere Stimmung? Natürlich darf und soll sie auch sein. Aber sie ist es nicht, die unser Leben wirklich hell macht. Sie ist es nicht, die uns Trost und Kraft gibt im Blick auf schwierige Wegstrecken unseres Lebens. Sie ist es auch nicht, die uns hilft, mit eigener Schuld fertig zu werden. All das schenkt Gott uns dagegen durch sein Kommen in Jesus Christus. Denn Advent und Weihnachten erinnern uns: Wir sind nicht allein. Gott selbst kommt zu uns und schafft es, dass so mancher dunkler Weg erhellt wird. Er trägt mit, wenn Leid und Sorgen uns niederdrücken. Er vergibt, wenn die eigene Schuld einem so unverzeihlich vor Augen steht und den Weg zum anderen blockiert. Er schenkt Hoffnung, wenn menschliche Prognosen ausweglos erscheinen.

Und selbst da, wo der Tod tiefe Wunden und Lücken in unserem Leben zurücklässt, steht seine Verheißung eines neuen Lebens - nicht nur für die Toten, sondern auch für uns, die wir ohne den geliebten Menschen weiterleben müssen.
All das ist der Inhalt und die Wahrheit, die hinter Advent und Weihnachten steht. Gott möchte uns nicht nur ein paar schöne gemütliche Stunden bescheren, sondern ein getrostes, getragenes und von Hoffnung und Freude erfülltes (erhelltes) Leben. Und das in jeder Jahreszeit und in jeder Lage.

Wenn im Monatsspruch von Gottes Verlassen die Rede ist, dann wird deutlich, wie ernst Gott unsere Schuld nimmt. Schuld und Sünde bringen uns auf Abstand zu Gott. Sie sind unvereinbar mit Gottes Heiligkeit. Ewige Trennung von ihm ist die eigentliche Folge. Weil Gott uns aber so sehr liebt und sein Erbarmen für uns so groß ist, hat er es Weihnachten werden lassen. In Jesus ist Gott zu uns gekommen und hat den Preis unserer Schuld und Sünde selber getragen - am Kreuz. Dort hat Jesus gerufen: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!" Seit dem müssen wir diese letzte Gott-Verlassenheit nie mehr erleben. Wenn wir uns von Gott verlassen fühlen, dann "höchstens" für eine "kleine Weile". Sein Erbarmen dagegen ist ewig und mit seiner Zuwendung dürfen wir immer und ewig rechnen - weil Gott es hat Weihnachten werden lassen! "Welch ein Jubel, welche Freude ..."

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine frohmachende und gesegnete
Advents- und Weihnachtszeit.


Ihr Samuel Liebmann