Gemeinschaft in der ev. Kirche - Flensburg

Südergraben 28 | 24937 Flensburg | Prediger: Samuel Liebmann

Auf ein Wort

Liebe Geschwister und Freunde

Wer bin ich? Und wodurch bin ich, was ich bin? Das sind Fragen, die jeder Mensch sich eines Tages stellt. Mal sind sie lauter, mal etwas leiser, je nachdem wie sehr ich mit mir „im Frieden“ bin. Haben Sie eine Antwort auf diese Fragen? Wie sieht die aus?

Eines steht fest: Jede und Jeder beantwortet diese Fragen unterschiedlich. Und trotzdem wird eine Spannung bleiben: Bin ich das, was andere über mich sagen, wie andere mich einschätzen und erleben? Oder bin ich mehr das, wie ich mich selber sehe? Das ist längst nicht immer deckungsgleich. Welchen Aussagen und Einschätzungen gebe ich mehr Gewicht?

Von Dietrich Bonhoeffer, Christ und Widerstandskämpfer im „3. Reich“, gibt es sehr eindrückliche und bewegende Worte über genau diese Frage. Als Gefangener erlebten ihn die Mitgefangenen ganz anders, als er sich selbst erlebte.

Er schreibt: „… Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer? Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlicher Schwächling? Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer, das in Unordnung weicht vor schon gewonnenen Sieg? Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott.“

Seine Worte sind wie eine Einladung zum Vertrauen: Selbst wenn ich mich manchmal selber nicht verstehe, nicht wirklich kenne, dann darf ich vertrauen: Es gibt einen Größeren, der mich geschaffen und gewollt hat. Der kennt mich und der liebt mich, so wie ich bin. In seinen Händen hält er mich (aus) mit allen Spannungen.

Damit verbunden ist auch die andere Frage: Wodurch bin ich, was ich bin?
Auch da gibt es viele Antworten: Vom Elternhaus angefangen, über Schule und Freunde bis hin zu „Schicksalsschlägen“ und eigener harter Arbeit. All das hat mein Leben geprägt und geformt. Aber längst nicht immer helfen mir diese Antworten, mein Leben, so wie es ist, fröhlich, getrost und zuversichtlich zu leben.

Der Monatsspruch gibt uns eine Antwort, die anders ist. Der Apostel Paulus hat sie für sein Leben gefunden. Und das nicht, weil in seinem Leben alles so wunderbar gelaufen ist. Er sieht sich als der geringste und unwerteste aller Apostel (1Kor 15,9), weil er die Gemeinde Gottes anfangs grausam verfolgt und Christen getötet hat. Aber Paulus hat auch erlebt, wie diese ungute Zeit nicht länger die alles bestimmende Macht in seinem Leben sein muss. Er hat Gottes Liebe und Gnade erfahren. Sie haben sich als größer und mächtiger gezeigt als alles andere – und das sind sie auch für unser Leben! „Selbst wenn wir noch so viel Mist gemacht haben, Gott weiß daraus noch Dünger für andere zu machen!“, so hat es jemand mal gesagt.

Ich wünsche uns allen, dass auch wir immer wieder glauben können, dass Gottes Gnade auch in unserem Leben mächtiger ist als alles andere!


Ihr Samuel Liebmann