Gemeinschaft in der ev. Kirche - Flensburg

Südergraben 28 | 24937 Flensburg | Prediger: Samuel Liebmann

Auf ein Wort

Liebe Geschwister und Freunde

Der Herr ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt.

(Klagelieder 3,25)

Der Monatsspruch löst im ersten Moment bei mir „gemischte Gefühle“ aus. Die Freude über die Zusage, die uns hier mitgegeben wird, wird überlagert von der Frage: Und was ist mit den anderen? Ist Gott nur denen freundlich, die nach ihm fragen?

Gott sei Dank lesen wir in der Bibel – und sogar im Alten Testament – auch das andere: „Ich ließ mich finden von denen, die nicht nach mir fragten“, verspricht Gott (Jes. 65,1). In Jesus hat Gott gezeigt, wie ernst es ihm mit diesem Versprechen ist. Denn Jesus ist für alle Menschen gekommen, um allen Gottes Liebe und Freundlichkeit zu zeigen. Wir dürfen den Monatsspruch also nicht als Engführung hören, als wenn Gott nur denen freundlich gesonnen ist, die auch ihm freundlich gesinnt sind.
Vielmehr ist das Wort für Oktober als Vergewisserung zu hören für denjenigen, der Schweres erleiden muss, der aufgrund von leidvollen Erfahrungen unsicher geworden ist und sich fragt: Wie steht Gott eigentlich zu mir – Steht ER überhaupt (noch) zu mir??? Gerade diejenigen, die so oder so ähnlich nach Gott fragen, sollen diese Zusage hören: Gott ist Dir auf alle Fälle freundlich zugewandt. ER meint es nicht nur gut, ER macht es auch gut mit Dir! – Hörst Du das?
Diese Worte sind uns zum Trost und zur Hoffnung gesagt, egal zu welchem Zeitpunkt wir nach Gott fragen – ob wir es schon immer getan haben, oder erst jetzt, in der konkreten Not tun: Der Herr ist freundlich dem, der auf IHN harrt, dh. Dem, der nach IHM fragt, IHM vertraut und hoffnungsvoll und gespannt abwartet, wie ER trotz allem und in allem noch Gutes draus machen wird.

Es mag Tage geben, die für uns ohne Sinn bleiben. Es mag Situationen geben, da verstehen wir „Gott und die Welt“ nicht mehr. Und es mag Momente geben, in denen man sich fühlt, als würde einem der Boden unter den Füßen weggezogen werden.
All das mag es geben, aber in all dem hat Gott versprochen, sich finden zu lassen; vor allem, wenn wir nach ihm fragen und ihn suchen. Und all das ändert nichts an der Tatsache, dass Gott uns liebt und uns freundlich gestimmt ist. Gott will uns nichts Böses. ER will uns nicht strafen. Warum ich mir da so sicher bin?
Weil ER durch Jesus unser Freund geworden ist. All das, was eine Strafe verdient hätte, hat Jesus auf sich genommen: „Die Strafe liegt auf ihm, auf das wir Frieden hätten!“ (Jesaja 53,5)

Ich wünsche es Ihnen und mir, dass wir gerade in den kommenden „dunklen“ Monaten um diese Zusage wissen und mit ihr getrost und zuversichtlich in sie hineingehen. Gott ist unser Freund – und nicht unser Feind! ER will unser Bestes – und nicht unseren Schaden! Selbst wenn es auf Tod und Sterben zugeht.
Gottes Freundlichkeit und Sein Segen behüten und begleiten Sie,


Ihr Samuel Liebmann