Gemeinschaft in der ev. Kirche - Flensburg

Südergraben 28 | 24937 Flensburg | Prediger: Samuel Liebmann

Auf ein Wort

Liebe Geschwister und Freunde

„An Gottes Segen ist alles gelegen“, so sagt man. Hier im Monatsspruch für Juni sagt es jemand nicht einfach nur so, sondern er ringt geradezu darum und klammert sich an denjenigen, von dem er sich diesen wichtigen Segen erhofft. Ohne ihn ist alles verloren – ist er selbst verloren. Und so lässt er nicht los, bevor er nicht gesegnet wird!
Die Rede ist von Jakob. Es ist eine geheimnisvolle Geschichte, die uns in der Bibel erzählt wird. Ihm steht ein schwerer Weg bevor. Es ist einige Jahre her, da hat Jakob seinen Bruder betrogen. Und auch damals ging es um einen Segen, den Erstgeburtssegen ihres Vaters. In einem günstigen Moment hat er ihn sich erschlichen und musste daraufhin fliehen vor seinem Bruder. Nun, einige Jahre später will er zurück und hofft, dass sein Bruder ihm gnädig ist und ihm vergibt. Er weiß aber nicht, wie das ganze ausgeht ...
In der Nacht davor passiert es, dass er von einem Fremden angefallen wird und es zu einem harten Kampf kommt. Jakob wird heftig angeschlagen und droht zu verlieren. Trotzdem lässt er nicht los, sondern ringt dem Fremden ab, dass er ihn segnet. Wir wissen nicht, ob Jakob da bereits wusste, dass er mit Gott gekämpft hat – oder ob es ihm erst später deutlich wurde, als ihm „der Fremde“ einen neuen Namen gibt: „Israel“, „denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen“ (1. Mose 32,29).
Der Monatsspruch erinnert an diesen geheimnisvollen, nächtlichen Kampf, in dem Jakob als der eigentlich Unterlegene die Kühnheit und Hoffnung hatte, dass der Segen ihn (heraus-) rettet aus seiner Not!
Wie damals mag es auch heute Situationen geben, in denen Gott uns fremd und rätselhaft erscheint, Situationen, in denen die Dunkelheit mit ihren Sorgen und Ängsten, Traurigkeiten und Zweifeln einen überfällt und niederdrückt. Gerade dann ist dieses Wort wie der Hoffnungsschrei in der Verzweiflung, der sich gerade an den klammert, der mir in der Dunkelheit fremd bleibt: „Gott, ich verstehe Dich nicht, aber Du hast versprochen, mich niemals allein zu lassen, mich in Deinen Händen zu halten und es gut mit mir zu machen! An dieses Versprechen will ich mich klammern – auch und gerade dann, wenn ich Dich nicht verstehe.“
Der Segen Gottes ist nicht mein Wunsch, sondern sein Versprechen: Nicht die Vergangenheit soll meine Zukunft bestimmen sondern Gottes Liebe, sein gnädiges „Es gut meinen und machen“! Die Geschichte vom Jakob ist längst vergangen, der Segen Gottes ist geblieben. An ihn dürfen wir uns klammern, wie gut!


Ihr Samuel Liebmann