Gemeinschaft in der ev. Kirche - Flensburg

Südergraben 28 | 24937 Flensburg | Prediger: Samuel Liebmann

Auf ein Wort

Liebe Geschwister und Freunde

„Nichts ist vergesslicher als die Dankbarkeit!“, sagt Jürgen Werth (ehem. Leiter des ERF). Stimmt das? Wenn ich darüber nachdenke, bin ich erschrocken, wie vieles als selbstverständlich gesehen wird – auch in meinem Leben. Erst wenn etwas nicht so läuft, nicht so da ist, wie ich es sonst gewohnt bin, wird mir bewusst, wie gut ich es doch eigentlich habe. Da sehe ich die Bilder von den vielen Menschen auf der Flucht, und mir wird bewusst, wie gut es mir, bzw. uns doch geht: Wir haben ein Dach über dem Kopf, genug zu essen, Kleidung, eine Dusche, ein weiches Bett, Frieden, … Ist das wirklich selbstverständlich?!?! Wie viel Grund zur Dankbarkeit haben wir doch! Ja, ich glaube, Jürgen Werth hat (leider) recht!
Das kommende Erntedankfest will uns wieder an die Dankbarkeit „erinnern“, und auch die Adresse, wo wir unseren Dank abgeben können. Aber warum nur einmal im Jahr diese Erinnerung? Warum nicht ein ganzes „Jahr der Dankbarkeit“? Genau dazu ruft eine Initiative auf, der wir uns als Gemeinschaft anschließen wollen. Als wir im Vorstand über diese Idee nachdachten, erzählte ein Vorstandsmitglied sehr treffend: Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto erschrockener werde ich: Warum müssen wir überhaupt erst dazu aufgerufen werden? Warum ist es nicht viel selbstverständlicher, dankbar zu sein?!?
„Dankbarkeit klingt vielleicht im ersten Moment etwas harmlos. … Aber es geht in die Tiefe. … Dankbarkeit ist ein schlafender Riese. Wenn er aufwacht, ändert sich eine Menge.“ So sagt es M. Grundlach, der Leiter der Initiative. Und Hermann von Bezzel hat einmal gesagt: „Die größte Kraft des Lebens ist der Dank!“ Diese verändernde Kraft möchte ich für mein Leben und für mein Umfeld neu entdecken – und Dankbarkeit neu lernen, bzw. mich von dem Dankbarkeits-Virus fröhlich anstecken lassen. Und hoffentlich noch viele mehr. Wie wäre das, wenn wir alle zusammen ansteckend dankbar wären …?!?
Natürlich können wir nicht für alles dankbar sein, aber in allem. Wie das geht? Dankbarkeit fängt mit einem Blickwechsel an: Ich lasse mich weniger von dem Mangel gefangen nehmen, als vielmehr von den vielen anderen Gründen, für die ich dankbar sein kann. Und vor allem ist es der Blick hin zu dem Gott, der mich in Freud und Leid trägt und nicht allein lässt. ER hat versprochen, für mich zu sorgen!
Nelson Mandela schreibt in einem Gedicht: „Ich bin der Kaptain meiner Seele!“ D.h. Ich habe es in der Hand, wohin ich meine Seele steuere. „Nicht der Wind, sondern das Segel bestimmt die Richtung“, so sagt es eine alte Seglerweisheit. Ich wünsche es uns, dass die Dankbarkeit unseren (persönlichen und gemeinschaftlichen) Kurs neu bestimmt – und nicht zuerst die Umstände. Dann werden wir einen „schlafenden Riesen“ wecken …


Ihr Samuel Liebmann