Gemeinschaft in der ev. Kirche - Flensburg

Südergraben 28 | 24937 Flensburg | Prediger: Samuel Liebmann

Auf ein Wort

Liebe Geschwister und Freunde

Monatsspruch Oktober:
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
(Lukas 15,10)

In den nächsten Wochen gehen wir auf ein besonderes Ereignis zu: Am 31. Oktober schauen wir auf 500 Jahre Reformation zurück. Ein Ereignis, das nicht nur die christliche Kirche, sondern unser ganzes Land und die Welt verändert hat. Wie viel Freiheit, Freude und Entlastung ist durch die reformatorischen Grundgedanken (wieder neu) in unser Leben gekommen: „Allein der Glaube“ - und eben nicht durch Werke, „allein die Gnade“ - und nicht mein Verdienst und Würdigkeit, „allein die Schrift“ - und nicht zusätzlich noch viele schlaue Gedanken und Lehren von Menschen und Institutionen, und „allein Christus“ sind es, die uns ein Leben schenken, das wir als vergnügt, erlöst und befreit beschreiben können!

Re-Formation: Das heißt soviel wie, dass etwas „zurück in Form“ gebracht wird, was „aus der Form“ gekommen ist. Und dieses „zurück in Form“ Kommen beginnt für Martin Luther und die Reformatoren mit dem, was sie mit „Buße tun“ bezeichnet haben. Gleich die erste der 95 Thesen spricht davon: Jesus hat gewollt, „dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll“.
Buße tun? Das hört sich nicht nach einem „vergnügten, erlösten und befreiten“ Leben an! Das soll Reformation sein?

Der Monatsspruch führt uns zurück in die Schrift und erinnert uns an ein Jesus-Wort: Buße löst Freude aus! Buße bewirkt Freude – nicht nur bei dem, vor dem man seine Schuld erkennt und bekennt.
Hinter dem alten Wort „Buße tun“ steht das griechische Wort „metanoia“, was wörtlich „um-denken“ heißt, bzw. seinen Sinn ändern. Und das nicht, weil man es muss, sondern weil man erkennt, dass man bisher falsch gedacht hat oder von falschen Voraussetzungen ausgegangen war. Mit diesem Blick können wir nachvollziehen, dass „umkehren“ und „Buße tun“ wirklich etwas Befreiendes, neu Frohmachendes in sich birgt. Da kommt Freude auf, wenn ich neu erkennen durfte, wie es richtig, bzw. wirklich ist!

Und so löst es Freude aus, wenn ein Mensch erkennt, dass es diesen Gott wirklich gibt, der in Jesus zu uns Menschen kommt; der sich nicht zu schade ist, für uns sogar in den Tod zu gehen, damit wir leben können: Vergnügt, erlöst, befreit – unabhängig, ob wir es verdient haben oder nicht. So überwältigend groß ist seine Liebe! Gerade weil es für uns Menschen so unglaublich ist, brauchen wir täglich diese Besinnung und Neuausrichtung auf diesen Gott, der da ist und in dessen Liebe unser Leben seinen Halt, seine „Form“ findet.

In diesem Sinne:
Ein gesegnetes Reformationsjubiläum,


Ihr Samuel Liebmann