Gemeinschaft in der ev. Kirche - Flensburg

Südergraben 28 | 24937 Flensburg | Prediger: Samuel Liebmann

Auf ein Wort

Liebe Geschwister und Freunde

Vor uns liegt die besondere Advents- und Weihnachtszeit! Viele können sie kaum erwarten, diese gemütliche, stimmungsvolle Zeit mit ihren Lichtern und Düften, mit ihren Kerzen, ihrer Musik und dem Punsch. Besinnlichkeit wünschen wir uns von dieser Zeit. Ruhe und zur Ruhe kommen, das Leben entschleunigen und sich auf das, bzw. den zu besinnen, der unser Leben letztlich im Tiefsten trägt und froh macht. So wünschen wir uns die Adventszeit. Nicht selten ist sie aber genau das Gegenteil: Statt Ruhe und Frieden erleben wir Hektik und Streit, statt Besinnung Zerstreuung, statt Gemütlichkeit Stress …
Nun können wir das „alle Jahre wieder“ beklagen und uns neu wünschen, dass es diesmal anders wird. Advent ist aber kein „frommer „Wunsch“, keine Zeit der Ungewissheit und bangen Hoffnung. Advent ist die Zeit der Verheißung und der Erwartung, des Aufbruchs und des mutigen Losgehens! Die Luft ist erfüllt von „Adventsverheißungen“, von der Zusage, dass da einer kommen wird, der alles neu machen wird. Mit ihm kann und soll tatsächlich alles anders werden. Advent ist die Zeit, das Ankommen dieses Einen zu erwarten – nicht ungewiss und ungläubig – ob er wohl kommen wird, sondern in froher Erwartung. Denn sein Stern, bzw. sein Licht ist bereits aufgegangen. Und jeder, der die Zeichen seines Kommens sieht, wird mit Freude und Hoffnung erfüllt. Endlich, bald ist es soweit! Dann kommt „der starke Mann“!???
Ist es das, was wir erwarten? In vielen Ländern scheint das die große Sehnsucht zu sein. Sobald jemand auftaucht, der meine Erwartungen und Hoffnungen auf Veränderungen bedient, wird der Jubel groß.
Jesus war anders. Er kam anders in unsere Welt. Nicht laut und stark, sondern „arm und reitet auf einem Esel“. Ja, er kommt als der König aller Könige und wird doch im Stall geboren. Ja, er kommt als der große Friedenskönig, der unser Friede ist und Frieden schafft – und doch erleben wir, dass gerade seine Anhänger viel Hass und Verfolgung erleben. All das irritiert und verunsichert uns. Gleichzeitig können wir aber auch erleben, dass er uns anders macht. Gerade da, wo wir das Gegenteil von dem Erleben, was wir erwartet und gewünscht haben, ändert er unsere Haltung und Umgang. Möglich wird das durch seine Verheißungen und Zusagen, in denen Jesus, der Erwartete – schon jetzt gegenwärtig ist. „Advent“ lässt uns nicht untätig abwarten – mal sehen was kommt, sondern die Adventszeit ist eine Zeit der Ermutigung. Wir, bzw. ich werde ermutigt zum Anders-Sein: Mal mutig und entschlossen zu handeln und über seinen Schatten zu springen, ein anderes Mal ruhig zu bleiben und nicht gleiches mit Gleichem zu erwidern … Ich lade ein, die Adventszeit mit Mut, Phantasie und Liebe zu erwarten und bewusst zu füllen anstatt einfach nur abzuwarten und zu hoffen, dass sie „stimmungsvoll und gemütlich“ wird. Advent lädt uns ein, den Verheißungen glauben zu schenken und sich von ihnen er-mutigen zu lassen!
In diesem Sinne wünsche ich eine gesegnete Adventszeit,


Ihr Samuel Liebmann